Frische Ausgabe Nr. 80 / Okt 18

Cover Nr. 80 Oktober 2018

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Heft 80 der hastuzeit ist am 29. September erschienen und wird an Instituten, Bibliotheken und Mensen verteilt.

Okt 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 80 0

Geschichten aus dem HAVAG-Land

Schienengebunden, mit elektrischer Energie betrieben, dient als öffentliches Personennahverkehrsmittel – die Rede ist von der Straßenbahn. In Halle gestalten sich Fahrten mit dieser regelmäßig als modernes Reiseabenteuer. Eine Kolumne über Fahrten rot-weiß. Diesmal geht es um das hallische Gondwana-Land.

Illustration: Sophie Ritter

Diesen Sommer verbrachte ich viel Zeit in den hallischen Straßenbahnen. Viel, sehr viel Zeit. Wobei es sich falsch anfühlt, von Straßenbahnen zu reden, eher sollte man von Saunen auf Rädern sprechen. Denn bei den vielen Minuten, ja Stunden, die ich in der Straßenbahn zubringen durfte, hatte ich ausreichend Gelegenheiten, mich gebührend in meinem Selbstmitleid ob der Hitze zu suhlen. Ich hätte mich natürlich auch in meinem Schweiß suhlen können, aber das verbietet einem jegliche Konvention.

In den Straßenbahnen hatte ich aufgrund der besonderen Nähe zu den anderen Fahrgästen – zunächst Nähe körperlicher Art, später auch emotional aufgrund des gemeinsamen Leidensdrucks – gebührend Möglichkeiten, die fröhlich vonstatten gehende Transpiration mit allen Sinnen wahrzunehmen. »Veni, vidi, vici«, zu Deutsch »Ich kam, ich sah, ich siegte« sollten wir meiner Meinung nach nicht länger Julius Caesar zuschreiben, sondern dem Schweiß. Egal mit welcher Linie ich fuhr: Der Schweiß kam bei allen Fahrgästen, jeder sah ihn bei sich und anderen, den Gesetzen der Schwerkraft gefügig, am Körper entlang­rinnen, und am Ende besiegte er uns alle. Jedweder Hoffnung nach spätestens drei schweißtreibenden Fahrten beraubt fügten wir uns in das Schicksal eines jeden Bahnfahrers in Halle, mehr oder weniger wohlriechend in A einzusteigen und als Stinktier in B anzukommen. Ich vermute ja eine geheime Kooperation der HAVAG mit diversen Deo-Herstellern. Hashtag Verschwörung! Mehr, mehr, mehr

Okt 2018 hastuUNI Heft Nr. 80 0

Studiengeflüster

261 Studiengänge an 10 Fakultäten bietet die MLU; eine beinahe unübersichtliche Anzahl. In unserer Rubrik »Studiengeflüster« stellen unsere Autoren kurz und knapp interessante Aspekte ihres eigenen Studiums vor. Teil 14: Aus dem Hörsaal in das Wohnzimmer der Queen.

Foto: Christoph Richter

Jedes Semester das Gleiche: Texte über Texte, die gelesen werden wollen, zahlreiche Bücher, die darauf warten, gewälzt zu werden, und jede Menge trockene Theorie. Im vergangenen Sommersemester jedoch bot das Institut für Anglistik/Amerikanistik unter der Leitung von Dr. Julia Nitz 15 Interessierten die Möglichkeit, aus dem Unialltag auszubrechen und im Rahmen eines kulturwissenschaftlichen Aufbaumoduls eine Exkursion nach London zu machen. Nicht nur für uns deutsche Studierende, sondern auch für das britische Volk selbst ist die Monarchie nicht wegzudenken, denn die Tradition der britischen Krone reicht über drei Jahrhunderte zurück und ist deshalb fester Bestandteil der Identität. Unter dem Motto »The British Monarchy and Spaces of Cultural Identity Formation« untersuchten wir die Identität anhand der royalen Domizile und deren Ausstellungen. Neben Besuchen in Hampton Court, Windsor Castle, Kew Palace und Kensington Palace blieb auch etwas Freizeit, um London auf eigene Faust zu entdecken und das eine oder andere Abenteuer zu erleben. Ausgangspunkt unserer Forschung bildeten erzähl-beziehungsweise kommunikationstheoretische Ansätze, die davon ausgehen, dass Museen nicht etwa schlichte Fakten präsentieren, sondern eine Art »Geschichte« erzählen, die von den Besuchern individuell »gelesen« wird. Mehr, mehr, mehr

Okt 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 80 0

Vom Umgang mit dem Wasser

Der diesjährige Sommer hat sich in die Liste der Extremsommer eingereiht. Die lange Dürreperiode hat mit ihren Folgen für die Natur und unsere Landwirtschaft gezeigt, wie wichtig Wasser für unser aller Leben ist. Doch wie umsichtig gehen wir mit dieser Ressource um?

Foto: pixnio.com

Wasser ist ein lebenswichtiges, wenn nicht das lebenswichtige Element. Es bedeckt mit circa 71 Prozent den Großteil der Erdoberfläche. Jedoch sind davon 97 Prozent Salzwasser, welches nur in geringem Umfang vom Menschen verwendet werden kann. Das für uns nutzbare Süßwasser fällt mit nur rund einem Prozent eher knapp aus. Durch die Sonnenenergie wird der Wasserkreislauf angetrieben. Dieser sorgt dafür,dass das Wasser auf der Erde verteilt wird und für Mensch und Natur verfügbar ist. Durch seine außergewöhnlichen Eigenschaften ist es überall vorhanden – auch der menschliche Körper besteht je nach Alter zu 50 bis 80 Prozent aus Wasser – und stellt so ein wichtiges Bindeglied zwischen den verschiedenen Teilen des Erdsystems dar. Mehr, mehr, mehr

Okt 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 80 0

Studieren damals und heute

Früher war alles … besser? Nein. Aber anders, auch das Studium an den Universitäten und Hochschulen. Rüdiger Gland ging von 1960 bis 1965 auf die neu gegründete Hochschule in Merseburg, arbeitete bis zur Rente im Buna-Werk und lebt noch heute im Stadtteil Neustadt. An einem Sommernachmittag im August erzählte er von seinem Studium und dem Alltag mit Frau und Kind.

Foto: Lisa Kollien

Rüdiger Gland, geboren 1939, ist ein wenig geschockt, als er auf dem Wohnheimgelände der Hochschule Merse-burg University of Applied Science (HoMe) steht. Denn das Gebäude, in dem er sich während des Studiums mit zwei weiteren Kommilitonen das Zimmer teilte, steht nicht mehr. Stattdessen ist dort heute eine Wiese. »Von hier aus konnte ich immer sehen, ob im Hauptgebäude das Licht brannte oder nicht. Im letzteren Fall bedeute das, dass wir ausschlafen konnten, denn der Strom war mal wieder ausgefallen.« 1960/61 begann Gland sein Studium an der HoMe, die damals noch »Technische Hochschule für Chemie Leuna-Merseburg Carl Schorlemmer« hieß. Mit circa 240 Kommilitonen und Kommilitoninnen bildeten sie den ersten Studiengang für Verfahrenstechnik mit dem Abschluss Diplomingenieur für Verfahrenstechnik. Mehr, mehr, mehr

Okt 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 80 0

In anmutiger Einsamkeit

Wer in einer Großstadt auf der Suche nach Ruhe und Natur ist, sucht in erster Linie Parks auf – oder verlässt die Stadt ganz. Dabei gibt es eine oft vernachlässigte Alternative: Friedhöfe wie der Gertraudenfriedhof in Halles Norden oder der Südfriedhof locken mit viel Grün, Stille und Einsamkeit.

Foto: Alexander Kullick

»Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein.« Es fällt schwer, einem Schriftsteller vom Profile eines Mark Twain zu widersprechen. Doch hin und wieder ist genau das nötig, nämlich dann, wenn selbst dieser große amerikanische Erzähler einem offensichtlichen Irrtum erlegen ist.

Konkret angezweifelt werden müssen auch nur die letzten sieben Worte des genannten Zitats – zudem ist zu beachten, dass Twain bereits 1910 gestorben ist und somit keine Gelegenheit mehr erhalten sollte, den Gertraudenfriedhof in Halle zu besuchen. Andernfalls hätte er diese törichte Aussage wohl kaum treffen können. Twain hätte nur ein paar Jahre älter werden müssen, um theoretisch noch eine Chance haben zu können, den frisch errichteten Gertraudenfriedhof in Halles Stadtviertel Landrain einmal zu sehen. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuINTERESSE Heft Nr. 79 0

SOS – Helft den Bienen!

Sie sind klein, sie summen, und sie produzieren das flüssige Gold. Schon unsere Vorfahren haben sich die Bienen zu Nutze gemacht und den Honig in luftiger Höhe aus Felsspalten geerntet. Unser gemeinsamer Weg ist lang. Doch nun scheint er in Gefahr zu sein, denn die Bienen werden zunehmend weniger. Woran liegt das, und wie können wir helfen?

Honigbiene
Foto: Anne Ost

Es ist kein Geheimnis, dass die Zahl der Insekten in Deutschland in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken ist. Der Entomologische Verein Krefeld hat in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass innerhalb von 27 Jahren über 75 Prozent der Fluginsekten verlorengegangen sind. Insbesondere über das Bienensterben und die damit verbundenen Konsequenzen für uns Menschen gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Meldungen. Immerhin sind 80 Prozent unserer heimischen Pflanzenarten auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, und gerade die Bienen spielen dabei eine große Rolle. Es gibt jedoch nicht die eine Biene. In erster Linie muss zwischen den Honigbienen, welche von Imkern und Imkerinnen gehalten werden, und den Wildbienen unterschieden werden. Tatsächlich sind es die Wildbienen, von denen etwa die Hälfte der rund 550 in Deutschland lebenden Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Der Bienenexperte Professor Dr. Robert Paxton von der MLU spricht von einem Artenverlust um die 15 Prozent in den letzten 25 Jahren allein in Sachsen-Anhalt. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 0

Mit Strich und Sternchen zur Gleichberechtigung?

»Frauenbeauftragte will Nationalhymne ändern«, schrie(b) die BILD Anfang März. Daraufhin wurde auch bei mir im Freundeskreis wieder einmal die Diskussion über eine geschlechtergerechte Sprache angefacht.

Illustration: Emilia Peters

Um jetzt die allbekannte Polemik der BILD etwas zu relativieren: Worum geht es? Am 8. März – dem Internationalen Frauentag – äußerte die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums Kristin Rose-Möhring in einem Rundbrief an ebendieses Ministerium den Vorschlag, einige Textpassagen der Nationalhymne zu ändern. Dies ist keine völlig neue Idee: In Österreich wurden Formulierungen wie »Heimat bist du großer Söhne« durch »Heimat großer Töchter und Söhne« ersetzt, und auch in Kanada wurde kürzlich eine Änderung der Nationalhymne beschlossen. Dort wurde die zweite Zeile der Hymne »O Canada« von »True patriot love in all thy sons command« zu »in all of us command« umgeschrieben. Nun findet die Debatte über eine Textänderung der Nationalhymne also auch in Deutschland statt. Aus »Vaterland« könnte »Heimatland« werden, die Zeile »brüderlich mit Herz und Hand« soll durch »couragiert mit Herz und Hand« ersetzt werden. Mehr, mehr, mehr

Jul 2018 hastuPAUSE Heft Nr. 79 1

Wenn Selfies in den Tod führen

In ihrer Novelle »Das pathologische Leiden der Bella Jolie« beschreibt Ramona Raabe den Tod der jungen Janina Ast, die sich selbst Bella Jolie nennt. Sie ist süchtig nach Selfies, süchtig nach sich selbst, süchtig nach dem Moment. Am Ende bleiben nur ihre Bilder zurück. Und Paul Wachter.

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie. Novelle. 2018 im Dittrich Verlag. 14,95€.

»Er weiß, dass sie schön ist, bevor er ihr Gesicht zu sehen bekommt. Beinahe ist es so, als könne er es ihrem Kopf ansehen. Oder den blassen Armen, die leblos von ihren Schultern hängen. Die fragilen Finger, von denen manche noch sanft das Gerät berühren, das sie in der Hand hält.« Mehr, mehr, mehr